29.06.2026

Akademie für Soziale Demokratie im Juni

Vom 26. bis 28. Juni fand in Warschau die zweite Tagung der diesjährigen Ausgabe der Akademie für Soziale Demokratie statt, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Polen in Zusammenarbeit mit „Krytyka Polityczna“ organisiert wurde. Das dreitägige Programm brachte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, die sich für aktuelle Politik, gesellschaftliche Herausforderungen und die Rolle der Linken in einer sich wandelnden Welt interessieren. Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops schufen Raum für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den wichtigsten Prozessen in Polen und Europa.

Die Tagung begann mit einem Treffen mit Senatorin Anna Górska, die über ihren Weg in die Politik, ihre tägliche parlamentarische Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Bürgern ihres Wahlkreises berichtete. Im Gespräch ging es auch um die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Wahljahr sowie um die Bedeutung des Aufbaus dauerhafter Beziehungen zu den lokalen Gemeinschaften. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Gelegenheit, über praktische Aspekte der politischen Arbeit sowie über die Rolle des Dialogs und der Präsenz vor Ort zu sprechen.

Das Programm am Samstag begann mit einem Workshop zum Thema sozial engagiertes Kino, der von Agnieszka Wiśniewska geleitet wurde. Ausgangspunkt der Diskussion war die Serie Ołowiane dzieci unter der Regie von Maciej Pieprzyca. Es wurde analysiert, wie das zeitgenössische Kino zu einem Instrument werden kann, um über die Erfahrungen marginalisierter Gruppen, soziale Ungleichheiten und die Verantwortung des Staates für die Folgen von Versäumnissen gegenüber den Bürgern zu berichten. Das Gespräch drehte sich auch darum, wie Filmemacher schwierige Geschichten mit Empathie und Respekt gegenüber den Betroffenen darstellen können.

Die nächste Sitzung unter der Leitung von Dr. Kornelia Sobczak widmete sich dem historischen Gedächtnis und zeitgenössischen Erzählungen über Patriotismus. Ausgangspunkt der Diskussion war das Buch Zośka und Rudy. Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und Polen, das dazu anregt, eine der wichtigsten Erzählungen der polnischen Kultur neu zu lesen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Fragen dazu, wie Literatur die Vorstellungen von Gemeinschaft, Heldentum und bürgerlicher Verantwortung prägt und welchen Platz verschiedene Modelle des Patriotismus in der heutigen Bildung einnehmen sollten.

Im zweiten Teil des Tages stellten Julia Szostek und Prof. Przemysław Sadura die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Politische Kritik vor, die sich mit den emotionalen Quellen des zeitgenössischen Populismus befasste. Die Teilnehmer lernten die Ergebnisse der Feldforschung kennen und diskutierten darüber, wie Emotionen, das Gefühl der Ungerechtigkeit und soziale Erfahrungen die politischen Einstellungen sowie die Qualität der öffentlichen Debatte in Polen beeinflussen.

Anschließend leitete Maciej Gdula ein Seminar über die heutige Arbeiterklasse. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Fragen danach, wer heute zur Volksklasse gezählt wird, welche Erfahrungen diese Menschen machen und inwieweit die bisherigen Vorstellungen von Politikern und progressiven Kreisen der Realität entsprechen. Die Diskussion befasste sich auch mit Möglichkeiten einer Politik, die auf die tatsächlichen Bedürfnisse verschiedener gesellschaftlicher Gruppen eingeht, sowie mit der Bedeutung sozialwissenschaftlicher Forschung für die effektive Gestaltung öffentlicher Maßnahmen.

Der letzte Tag der Tagung war den aktuellen sozialen und internationalen Herausforderungen gewidmet. Olena Babakova stellte die Ergebnisse der neuesten qualitativen Untersuchungen zu den polnisch-ukrainischen Beziehungen sowie zur Situation von Menschen aus der Ukraine vor, die in Polen leben. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Auswirkungen neuer gesetzlicher Regelungen auf den Alltag von Migranten und Flüchtlingen, zunehmende Vorurteile sowie Möglichkeiten, Ausgrenzung und sich vertiefenden gesellschaftlichen Spaltungen entgegenzuwirken.

Den Abschluss der Tagung bildete ein Treffen mit Agnieszka Lichnerowicz, das der aktuellen internationalen Lage gewidmet war. Das Gespräch umfasste die sich wandelnde Sicherheitsarchitektur in Europa und weltweit, die Zukunft der NATO, die Entwicklung der europäischen Verteidigungspolitik, den Verlauf des Krieges in der Ukraine sowie die Folgen der Spannungen im Nahen Osten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Gelegenheit, gemeinsam über die Herausforderungen nachzudenken, denen sich Polen und Europa angesichts dynamischer geopolitischer Veränderungen gegenübersehen.

Das zweite Treffen der Akademie für soziale Demokratie bot erneut Raum für vertiefte Diskussionen, den Austausch von Erfahrungen und das Zusammenkommen von Menschen, die sich für eine Politik interessieren, die auf den Werten der Demokratie, der Gleichheit und der Solidarität basiert. Wir danken allen Referentinnen und Referenten für die Weitergabe ihres Wissens und ihrer Erfahrungen sowie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre aktive Teilnahme an den Veranstaltungen und die inspirierenden Gespräche. Das nächste Treffen der Akademie für soziale Demokratie findet im September statt.

Friedrich-Ebert-Stiftung
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