22.06.2026

Wer spricht im Namen der Arbeitnehmer? Eine Debatte über Gewerkschaften und die extreme Rechte

Vom 11. bis 12. Juni fand in Berlin die Konferenz „Addressing Far-Right Ideas Inside Trade Unions“ statt, die sich mit der wachsenden Popularität populistischer und rechtsextremer Gruppierungen unter Arbeitnehmern und Gewerkschaftsmitgliedern befasste. Die Veranstaltung wurde vom FES-Büro „Future of Work“ und dem DGB-Hauptverband organisiert.

Ausgangspunkt der Diskussion war die Beobachtung, dass sich die heutige extreme Rechte immer häufiger nicht nur auf Identitätsfragen, sondern auch auf soziale und wirtschaftliche Themen beruft. Indem sie sich als Verteidigerin von Arbeitsplätzen und sozialer Sicherheit präsentiert, nutzt sie erfolgreich die Ängste vor Globalisierung, Migration, Automatisierung oder der Entwicklung künstlicher Intelligenz aus.
Einer der interessantesten Schwerpunkte des ersten Tages war der Vortrag von Dr. Andreas Hövermann vom Institut für Wirtschafts- und Sozialforschung (WSI) über den Zusammenhang zwischen Demokratie am Arbeitsplatz und der Widerstandsfähigkeit der Beschäftigten gegenüber vereinfachenden, ausgrenzenden Narrativen. In den Podiumsdiskussionen wurde darauf hingewiesen, dass der Anstieg der Unterstützung für die extreme Rechte nicht ausschließlich auf ideologische Überzeugungen zurückzuführen ist, sondern oft auf ein Gefühl der Unsicherheit und der Machtlosigkeit gegenüber den stattfindenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen.
Der zweite Tag war als Workshop konzipiert. Die Teilnehmer analysierten unter anderem die Rolle der neuen Medien und der künstlichen Intelligenz bei der Verbreitung radikaler Inhalte, die Strategien rechtsextremer Organisationen am Arbeitsplatz sowie Möglichkeiten, auf einwanderungsfeindliche Narrative zu reagieren. Besonders wertvoll war der Erfahrungsaustausch zwischen Vertretern von Gewerkschaften aus verschiedenen europäischen Ländern.
Die Konferenz zeigte, dass die Diskussion über die extreme Rechte in der Arbeitswelt im Grunde eine Debatte über die Vertretung der Arbeitnehmerinteressen, das Sicherheitsgefühl und die Zukunft der Demokratie ist und dass die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften von entscheidender Bedeutung für den Schutz dieser Werte sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Gesellschaft ist.
In Zusammenarbeit mit dem Warschauer Büro der Ebert-Stiftung vertrat Anushe Dust das Polnische Gewerkschaftsbund OPZZ in Berlin.

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